Es braucht alle unterschiedlichen Ansätze, weil sie sich ergänzen, sagt der Präsident der Krebsliga Schweiz Jakob R. Passweg.

Wovon hängen die Heilungsaussichten bei Krebs ab?

In der Schweiz ist Krebs immer noch die zweithäufigste Todesursache und fordert jährlich mehr als 16000 Tote. Trotzdem überleben immer mehr Menschen den Krebs. Die Überlebenschancen hängen dabei stark von der Krebsart ab. So sind die Aussichten etwa beim Lungen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs oft schlecht, weil diese Krebserkrankungen meist spät erkannt werden. Andererseits können mittlerweile 80 Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs erfolgreich behandelt werden.

Welche Fortschritte hat es in den letzten Jahren in der Krebsmedizin gegeben?

Es gibt viele Verbesserungen, die schrittweise und an mehreren Fronten erreicht worden sind. Erstens können wir viele Krebskrankheiten heute in einem früheren und besser behandelbaren Stadium aufspüren. Und zweitens erlauben die molekulargenetischen Werkzeuge, die seit der Entzifferung des menschlichen Erbguts im Jahre 2001 am Aufkommen sind, auch eine zusehends feinere Unterteilung der verschiedenen Krebstypen. Heute wird beispielsweise der Lungenkrebs in mehrere Arten unterteilt, die jeweils unterschiedlich behandelt werden. Oft können wir aufgrund der genauen Charakterisierung eines Tumors auch bestimmen, welche Therapie am erfolgversprechendsten ist. Einige neue Medikamente richten sich beispielsweise spezifisch gegen bestimmte Strukturen auf der Oberfläche der Krebszellen. Bevor wir eine Behandlung beginnen, bestimmen wir die genetische Ausstattung des Tumors. Fehlen diese Oberflächenstrukturen, kommt die gezielte Behandlung nicht zum Einsatz. Sind die Strukturen hingegen vorhanden, steigen die Chancen auf einen Behandlungserfolg.

Was für andere Therapieformen sind neu entwickelt worden?

Zu erwähnen gibt es sicherlich die Immuntherapie, in die viele grosse Hoffnungen setzen. Das Ziel dieser Behandlung ist, das körpereigene Abwehrsystem (wieder) in die Lage zu versetzen, den Krebs zu erkennen und abzutöten. Hier haben sich etwa beim Hautkrebs, Blasenkrebs und Lungenkrebs erste eindrückliche Erfolge gezeitigt.

Wer hat diese Fortschritte ermöglicht?

Daran sind sehr viele Personen beteiligt. Während die pharmazeutische Industrie massgeblich die Entwicklung neuer Heilmittel vorantreibt, baut sie auf Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung auf, die meist dank Forschungsbeiträgen der öffentlichen Hand erzielt worden sind. Zudem verfolgt die akademische klinische Forschung auch patientennahe oder gesellschaftliche Probleme. Soll ein Tumor etwa zuerst bestrahlt und dann medikamentös therapiert werden oder umgekehrt oder besser gleichzeitig? Wie lässt sich die Lebensqualität von Krebsbetroffenen verbessern? Diese Fragestellungen stehen oft ausserhalb der finanziellen Interessen, sind aber für die Optimierung der Behandlung mindestens so wichtig. Hier kommen Organisationen wie die Krebsliga und die Stiftung Krebsforschung Schweiz ins Spiel, die dank der grosszügigen Unterstützung ihrer Spenderinnen und Spender solche Projekte finanziell fördern können.