Forschungsergebnisse kommen beispielsweise in Form einer verfeinerten Diagnostik möglichst früh wieder Patienten zugute, wenn innovative Technik und klinisch-diagnostische Fragestellungen zusammengebracht werden, sagt Marianne Tinguely vom UniversitätsSpital Zürich. 

Wenn Fragen in der Krebsdiagnostik durch die aktuellen technischen Möglichkeiten nicht beantwortet werden können, ist Raum für Forschung von Marianne Tinguely, Fachärztin für Pathologie und Molekularpathologie am UniversitätsSpital Zürich.

Diese soll natürlich letztlich wieder den von Krebs Betroffenen zugutekommen. Im Idealfall ein Kreislauf, der die Medizin im Kampf gegen den Krebs Schritt für Schritt weiterbringt. «Meine Hauptaufgabe am Institut für klinische Pathologie besteht darin, Gewebeproben von Patienten auf krankhafte Veränderungen hin zu untersuchen.» Die Krebsdiagnostik nimmt hier eine bedeutende Rolle ein.

Die Aussage «Krebs» alleine reicht jedoch bei weitem nicht aus. So besteht ihre Aufgabe darin, eine genaue Unterscheidung der sehr unterschiedlichen Krebsarten zu treffen und nach Tumormerkmalen zu suchen, die als Grundlage für eine optimale, individuelle Therapie dienen. Und diese alltägliche Arbeit ist es, die oft neue Forschungsansätze bringt.

Klar geregelter Ablauf

Forschungsprozesse gehorchen klaren Regeln. Der eigentlichen Forschungsarbeit voraus gehen ein Literaturstudium und die Ausarbeitung eines Projektantrages. «Dort muss ich ziemlich genau angeben, was ich machen will, und dabei begründen, wie viel Zeit, Personal und Geld ich benötige», sagt Tinguely. Den Antrag unterbreitet sie der Krebsliga oder einer Stiftung, die das benötigte Geld sprechen.

Erst wenn diese organisatorischen Hürden genommen sind, kann die eigentliche Forschungsarbeit im Labor beginnen. Im Sinne einer Qualitätskontrolle werden Zwischenergebnisse in institutseignen Foren kritisch diskutiert und periodische Zwischenberichte über den Fortgang der Studien an die Geldgeber geliefert. Das ist nicht nur wichtig für die externen Partner, sondern verschafft auch stets intern den besten Überblick.

Kooperationen immer wichtiger

«Gute Forschungsresultate kommen nur in enger Teamarbeit und im Austausch mit anderen Forschungsgruppen zustande», sagt Tinguely. Universität und ETH Zürich bilden dabei in diesem Fall ein ideales Umfeld, um Kooperationen mit Grundlagenforschern einzugehen, da hier international anerkannte Experten forschen. «Das Zusammenbringen von innovativer Technik und klinisch-diagnostischer Fragestellung bringt den Vorteil, dass Forschungsergebnisse möglichst früh wieder dem Patienten zugute kommen, zum Beispiel in Form einer verfeinerten Diagnostik», sagt sie.

Ansprüche steigen

In Ansätzen sei in der Schweiz auch ein Trend vorhanden, für Forschungsprojekte grosse Konsortien zu bilden – gemäss Tinguely sei dies im Ausland längst die Regel. «Es wird in Zukunft wohl so sein, dass Forschung vermehrt in grös­seren Kollaborationen durchgeführt wird, denn die Anforderungen an Forschungsprojekte hinsichtlich technischer, personeller und somit auch hinsichtlich finanzieller Ressourcen sind gestiegen.» Bei seltenen Tumoren würden auch internationale Kooperationen zunehmend ein Thema.

Ethische Fragen stets vor Augen

In ihrer Forschung beschäftigt sich Tinguely mit Lymphomen. Das sind Tumorerkrankungen der Abwehrzellen. Forschung betreibt sie patientennahe, d.h. mit Tumorgeweben, die zur Diagnostik ans Institut gesandt und dort archiviert werden. Nach Abschluss der Diagnostik wird das Restgewebe stets in einer institutseigenen und eidgenössisch akkreditierten Biobank archiviert.

«Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, das Gewebe von Patienten zehn Jahre lang aufzubewahren», sagt sie. Die Forschung an Geweben sei streng reglementiert, weshalb sie für jedes Projekt die Zustimmung der kantonalen Ethik-Kommission brauche, bevor sie am Gewebe Analysen durchführen darf. «Das ist alles sehr aufwändig, aber zum Schutze des Patienten eine notwendige Voraussetzung, um an gut dokumentierten Geweben forschen zu können», so Tinguely.

Normalerweise betreut Tinguely drei bis vier Forschungsprojekte gleichzeitig, davon meistens zwei eigene Projekte. Die Forschungsarbeit betreibe sie mit grosser Begeisterung, obwohl diese nur einen Teil ihrer Tätigkeit am UniversitätsSpital Zürich ausmache, sagt Tin­guely und betont: «An erster Stelle steht die Patientenversorgung als Pathologin.» Zudem lehrt sie an der Universität Zürich.

Mehr Wissen und mehr Fragen

Dank rasanten technischen Fortschritts konnten in den letzten Jahren in der  Erforschung von Krebserkrankungen viele neue Erkenntnisse gewonnen werden. Doch bei jedem Fenster, das man neu öffne, finde man eine grosse Anzahl an neuen  Fragestellungen, die es anzugehen gilt, so Tinguely. Für sie ist und bleibt Forschung eine spannende Arbeit. Ohne sie wäre der Kampf gegen den Krebs wohl aussichtslos.