Vor kurzem sorgte der Fall eines Kindes...

...aus dem Tessin für Schlagzeilen, bei dem die Krankenkasse erst nach öffentlichem Druck die Kosten für ein Krebsmedikament übernommen hat. Dem Entscheid zur Kostengutsprache ging ein dreimonatiger Briefwechsel zwischen Arzt und Krankenkasse voraus.

Die Kasse weigerte sich zu bezahlen, da der Junge mit einem Medikament behandelt werden sollte, welches nicht für die Therapie seines Tumors zugelassen war, wie dies bei Kindern häufig der Fall ist.
 

Solche Situationen könnten sich häufen, nicht nur bei der Behandlung von Kindern.


Fortschritte in der Forschung führen dazu, dass unsere Kenntnisse über Krebs zunehmen. Die Krankheit teilt sich in immer mehr und damit kleinere Untergruppen auf. Wir zählen heute über 1000 verschiedene Untereinheiten von Krebs.

Damit wird die Behandlung im Einzelfall sehr komplex und personalisiert, und dies in hohem Tempo. Dies erfordert rasch dringende Anpassungen im Bereich der Medikamentenzulassung und obligatorischen Vergütung lebensnotwendiger Medikamente.

Aktuell muss, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, bei teuren Medikamenten und im Off-Label-Gebrauch ein Kostengutsprachegesuch bei den Vertrauensärzten der Krankenkassen gestellt werden. Dabei gibt es noch keine einheitliche Praxis und entsprechend entstehen störende Ungleichheiten.

Um Zugangsgerechtigkeit und Chancengleichheit für Krebsbetroffene auch künftig sicherzustellen, braucht es hier eine entsprechende Richtungsänderung. Sonst droht die Gefahr der Mehrklassenmedizin, welche mit dem Krankenversicherungsgesetz nicht vereinbar ist und vom Volk auch klar abgelehnt wird.

Krebs wird zu einer chronischen Krankheit

Nicht zuletzt solch innovativen Therapieansätzen ist es heute zu verdanken, dass immer mehr Menschen geheilt werden oder deutlich länger mit ihrer Erkrankung leben, das heisst, Krebs wird zu einer chronischen Krankheit.

Auf eine halbe Million dürfte die Zahl der «Cancer Survivors», also Menschen die mit einer Krebsdiagnose leben, bis 2030 hierzulande ansteigen. Diese brauchen auch ausserhalb der eigentlichen medizinischen Betreuung Beratung und Unterstützung. Für viele ist etwa die Zeit unmittelbar nach dem Abschluss der Therapie mit Ängsten und Problemen verbunden.

Ohne enge Betreuung, wie während der ganzen Therapiezeit, setzt Unsicherheit ein. Die Krebsliga Schweiz setzt sich deshalb für den Ausbau und die Weiterentwicklung einer multiprofessionell aufgebauten onkologischen Rehabilitation ein, die neben der körperlichen Rehabilitation auch den sozialen, beruflichen oder psychischen Bereich umfasst. 

Ein Bereich, bei dem «Cancer Survivors» oft mit Schwierigkeiten konfrontiert sind, ist die Rückkehr in den Arbeitsprozess. Rund 64000 Personen im erwerbsfähigen Alter leben in der Schweiz aktuell mit der Diagnose Krebs. Zwei Drittel aller Betroffenen kehren nach den Therapien wieder an ihren Arbeitsplatz zurück.

Eine Krebserkrankung hinterlässt jedoch Spuren. Die körperliche und seelische Verfassung und Leistungsfähigkeit verändert sich. Viele Krebsbetroffene leiden unter Müdigkeit und Konzentrationsproblemen. Immer wieder kommt es vor, dass «Cancer Survivors» sogar ihren Job verlieren.

Damit es nicht dazu kommt und die berufliche Wiedereingliederung gelingt, bietet die Krebsliga Schweiz Seminare und Workshops für Arbeitgeber und HR-Verantwortliche an. 

Um all diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, ist es wichtig, dass sich in der Schweiz die hoch spezialisierten Krebszentren noch besser vernetzen. Auch in den Regionen müssen sich die Spezialisten zu Versorgungsnetzwerken mit dem jeweiligen Zentrum zusammenschliessen.

So wird sichergestellt, dass Krebsbetroffene fairen Zugang zur optimalen Diagnostik, Behandlung und Betreuung erhalten, unabhängig vom Wohnort. Eine stärkere Vernetzung der Onkologie ist auch Teil der Nationalen Strategie gegen Krebs (NSK).

Schliesslich ist eine nationale Vorgehensweise auch dringend notwendig, um Prävention und Früherkennung bösartiger Tumore zu verbessern. Wir wissen heute, dass circa 40 Prozent der Krebserkrankungen vermeidbar wären.

Auch das neue Krebsregistergesetz (ab 2020) wird uns helfen zu verstehen wie, wo und bei wem wir ansetzen müssen, um immer mehr Krebserkrankungen zu vermeiden oder in noch heilbaren Frühstadien zu erkennen.

KREBS-FACTS

× In der Schweiz leben rund 170 000 Frauen und 147 000 Männer mit der Krebsdiagnose.

× Von den erkrankten Männern sind jährlich circa 50 von Brustkrebs betroffen.

× Mehr Männer erkranken jährlich neu an Prostatakrebs als Frauen an Brustkrebs.