Prostatakrebs ist ein Tabuthema – wieso ist es dennoch so wichtig, darüber zu reden?

Weil Prostatakrebs der häufigste bösartige Tumor beim Mann ist. Jedes Jahr sterben in der Schweiz fast 1400 Männer an dieser Krankheit. Prostatakrebs wird assoziiert mit Impotenz, Inkontinenz und Verlust von Männlichkeit.

Da es ein männliches Sexualorgan betrifft, wird in der Öffentlichkeit zu wenig darüber gesprochen, obwohl fast gleich viele Männer an Prostatakrebs sterben wie Frauen an Brustkrebs. Es stimmt auch nicht, dass Prostatakrebs nur alte Männer betrifft.

In der Schweiz erkranken mehr als 800 Männer pro Jahr an Prostatakrebs, die jünger sind als 60. Das mittlere Erkrankungsalter bei Diagnosestellung liegt bei 69 Jahren.

Was wurde im Kampf gegen Prostatakrebs bereits erreicht?

Gerade bei unheilbarem Prostatakrebs mit Ablegern (Metastasen) sind in den letzten Jahren grosse Fortschritte in der Behandlung erzielt worden.

Eine gute Beratung und Therapie-Wahl sind in dieser Situation entscheidend, um eine möglichst hohe Lebensqualität, wenig Nebenwirkungen und eine Verlängerung des Überlebens zu erreichen. Trotzdem ist vieles immer noch unklar und deswegen mehr Forschung zu Prostatakrebs dringend nötig.

Im November werden deshalb verschiedene Organisationen wie die Krebsliga Schweiz oder die Stiftung Krebsforschung Schweiz auf Prostatakrebs aufmerksam machen und Spenden für die Erforschung und Bekämpfung von Prostatakrebs sammeln.

Immer wieder im Fokus stehen auch die Früherkennung von Prostatakrebs und die Bestimmung des Prostata-spezifischen-Antigens (PSA). Wieso ist das wichtig?

Stellen Sie sich einen 58-jährigen Familienvater vor, der vor mir sitzt, und ich muss ihm eröffnen, dass seine Rückenschmerzen auf einen weit fortgeschrittenen Prostatakrebs mit Metastasen in der Wirbelsäule zurückzuführen sind.

Der Mann hat einen zu hohen PSA-Wert und fragt zu Recht, weshalb man beim Check-up im Alter von 50 Jahren nicht den PSA-Wert bestimmt hat, um eine frühe Form und einen auf die Prostata begrenzten Krebs zu entdecken.

Und wieso wird dieser Test dann nicht bei allen Männern ab 50 durchgeführt?

Das Problem mit dem PSA-Wert ist, dass er sehr unzuverlässig ist. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf ein frühes Stadium eines aggressiven Prostatakrebses hinweisen, der Wert erhöht sich aber auch bei allen möglichen Reizungen und Veränderungen der Prostatadrüse, zum Beispiel bei Entzündungen, sexueller Aktivität, langen Fahrradtouren und gutartiger Vergrösserung.

Bei einem erhöhten PSA kommt es zu Abklärungen, welche mit Unsicherheit, Angst und Nebenwirkungen der Untersuchungen verbunden sein können.

Bei der Mehrheit der Männer mit erhöhtem PSA findet man in der Weiterabklärung keinen Krebs oder es werden Tumoren entdeckt, welche – wären sie unentdeckt geblieben – dem betroffenen Mann mit grosser Wahrscheinlichkeit nie Beschwerden bereitet hätten.

Sind diesbezüglich Fortschritte in Sicht?

Die Forschung arbeitet intensiv an besseren Tests, welche genauer sind und eine wirksame Prostatakrebsvorsorge ermöglichen.

Zudem ist es wichtig, dass sich Männer über Vor- und Nachteile der Prostatakrebs-Vorsorge informieren und dann entscheiden, ob sie eine Früherkennungsuntersuchung in Anspruch nehmen wollen oder nicht. Bevor eine PSA- Testung gemacht wird, sollten sie sich diesbezüglich vom Hausarzt oder einem Urologen beraten lassen.