In zahlreiche Kliniken in der Schweiz werden Krebspatienten heute interdisziplinär in Tumorboards behandelt. Dabei treffen sich Experten und besprechen Fälle – ein Vorteil für Patienten, denn so werden gleich mehrere Expertenmeinungen gebündelt. Welche Experten in einem solchen Gremium vertreten sind, sei vom Fall abhängig, sagt Dr. Urs R. Meier, Direktor der Klinik für Radio-Onkologie am Kantonsspital Winterthur. «Grundsätzlich sind bei uns mindestens ein Vertreter der Chirurgie, Onkologie, Pathologe, Radiologie und der Allgemeinmedizin im Tumorboard vertreten», so Meier.

Je nach Fall würden weitere Experten hinzugezogen. Um eine noch bessere Behandlung der Patienten leisten zu können, habe man vier verschiedene Tumorboards gebildet. «Wir unterscheiden im Kantonsspital Winterthur zwischen den Bereichen Krebserkrankungen im Magen- und Darmbereich, der Lunge, sowie urologischen und gynäkologischen Tumoren», ergänzt Dr. Miklos Pless, Chefarzt der Medizinischen Onkologie sowie Leiter des Tumorzentrums am Kantonsspital Winterthur.

Vernetzung für flächendeckende Betreuung

Zudem kooperiere man über die hausinterne Zusammenarbeit hinaus mit anderen Krankenhäusern. Pless: «Die gute Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Schaffhausen, aber auch mit den Regionalspitälern Wetzikon und Bülach sowie dem Universitätsspital Zürich spielen eine wichtige Rolle.» Durch die enge Vernetzung sei ein guter Zugang zur medizinischen und radiologischen Onkologie für alle Spitäler in der Region gewährleistet.

«Manche Spitäler haben keine Möglichkeit für eine Bestrahlung und daher senden sie Patienten für die Radiotherapie an uns. Entsprechend nehme ich an den Tumorboards dieser Spitäler wöchentlich teil», sagt Meier. Dient es der optimalen Behandlung, finden auch Verlegungen von einem Krankenhaus in ein anderes statt.

Tumorboard empfiehlt, Patient entscheidet

Bei einem Treffen werden einzelnen Patientenakten vorgestellt oder Röntgenbilder besprochen. Auf dieser Diskussionsgrundlage werden Empfehlungen abgegeben – für die beste heilende oder palliative, Tumorbeschwerden reduzierende, Therapie. Der behandelnde Arzt teilt dem Patienten diese Entscheidung mit. «Aber letztlich ist er es, der über seine Behandlung entscheidet. Falls der Patient zum Beispiel nicht operiert werden möchte, müssen wir im Tumorboard einen anderen Behandlungsverlauf ausarbeiten», so Dr. Miklos Pless. Das komme aber nur selten vor.

Dabei hat der interdisziplinäre Ansatz Vorteile. «Wir können auf Augenhöhe mit Kollegen zusammenarbeiten, das ist sehr befruchtend», sagt Meier und: «Dabei kann es schon einmal hitzig zugehen. Aber das ist im Sinne des Patienten, denn so werden alle Eventualitäten bedacht.» Ausserdem können so Prozessschritte verkürzt werden. Eindeutige, wissenschaftlich fundierte Erhebungen gebe es zwar nicht, «aber die Prognosen haben sich für die Heilungschancen durch diesen Ansatz stark verbessert, auch unnötige Eingriffe können vermieden werden», betont Pless.

Tumorboards gut organisieren

Als mögliche Schwachstelle in der Beurteilungskette nennen Experten die Richtlinien des Datenschutzes, die den Austausch von Patientendaten erschweren können. Pless bezeichnet die Organisation eines solchen Tumorboards generell als Herausforderung, denn es dürfen für den Patienten keine langen Wartezeiten entstehen, alles müsse reibungslos ablaufen. Und wie kann man sich grundsätzlich als Patient vor einer Fehldiagnose schützen?

«Die Diagnose muss vom mehreren Experten im Tumorboard besprochen werden», rät Pless. Existiere es eine solche Einrichtung nicht, da zum Beispiel das behandelnde Krankenhaus, in das der Patient eingewiesen wurde, zu klein ist, ­gebe es die Möglichkeit, eine externe Zweitmeinung einholen zu ­lassen.