Jährlich sterben fast neun Millionen Menschen an Krebs 

Damit ist die Erkrankung tödlicher als HIV, Malaria und Tuberkulose zusammen. 70 Prozent dieser Menschen stammen aus Entwicklungsländern.

Ebenfalls frappierend ist die Zahl der Todesfälle bei krebserkrankten Kindern. Während die Überlebensrate in Ländern mit hohem Einkommen bei 80 Prozent liegt, erliegen in der Dritten Welt vier von fünf erkrankten Kindern irgendwann ihren Leiden. Selbst in reichen Staaten ist die Mortalitätsrate in der vergleichsweise ärmsten Bevölkerungsschicht am höchsten.

Die Gründe für diese Ungleichheit sind vielfältig. Es beginnt damit, dass eine der Hauptursachen für Krebs noch immer Tabakkonsum ist und dieser gerade in ärmeren Ländern konstant steigt. Auch Impfungen, welche ein vergleichsweise günstiges und effektives Mittel sein könnten, um das Risiko auf bestimmte Krebserkrankungen zu reduzieren, werden in Entwicklungsländern häufig nicht durchgeführt.

Früherkennung ist der Schlüssel

Selbst wenn diese Probleme behoben werden könnten, lassen sich rund 60 Prozent der Krebserkrankungen nicht verhindern. Hier ist die Früherkennung der Schlüssel zu guten Behandlungsergebnissen. Aber auch hier gibt es massive Ungleichheiten. Denn in ärmeren Ländern verfügt man häufig schlicht nicht über die nötigen Mittel, um den Krebs rechtzeitig zu erkennen.

Viele Menschen können sich keine Untersuchungen leisten.

Gleichzeitig müssten die Betroffenen häufig selbst für die Kosten für die Tests aufkommen. Das können sich viele Menschen gar nicht leisten. Das wiederum führt dazu, dass der Krebs sich vielfach so stark ausbreitet, dass er nicht mehr behandelbar ist oder aber die Kosten dafür exorbitant wären. Gleichzeitig gibt es in neun von zehn Entwicklungsländern nicht einmal die Möglichkeit der Bestrahlung, welche bei rund der Hälfte der Patienten nötig wäre, um den Krebs zu bekämpfen.

Wir müssen Aufmerksamkeit erregen

Jährlich könnten 3,7 Millionen Leben gerettet werden, würde man es schaffen, Präventionsstrategien, Früherkennung und Behandlungsmöglichkeiten für alle Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Das würde rund elf Milliarden US-Dollar kosten, gleichzeitig könnten dadurch aber rund 100 Milliarden US-Dollar für Krebsbehandlungen gespart werden.

Am diesjährigen Weltkrebstag soll auf diese Ungerechtigkeiten aufmerksam gemacht und gezeigt werden, mit welchen Anpassungen grosse Veränderungen erzielt werden könnten. Unser Ziel ist es, die Zahl der Krebstoten innerhalb der nächsten sieben Jahre um einen Viertel zu reduzieren. Das ist zwar ambitioniert, doch ich glaube fest daran, dass wir das schaffen können. 

  • Weltkrebstag

Die Schweiz ist von dem Trend nicht ausgeschlossen. Auch hierzulande wächst die Zahl der Krebsbetroffenen.

Jährlich erkranken in der Schweiz rund 40000 Menschen an Krebs. Immer noch sterben 16500 Betroffene daran, was die Krankheit zur zweithäufigsten Todesursache macht. Verantwortlich für die steigende Zahl der Krebsbetroffenen ist einerseits der demografische Wandel, andererseits eine Verbesserung bei Früherkennung und Therapie.

Erfreulicherweise ist jedoch die Sterblichkeit bei den meisten Krebsarten rückläufig: Seit Mitte der 80er-Jahre ist die Sterberate bei den Frauen im Durchschnitt um 28 Prozent und bei den Männern um 37 Prozent gesunken. Dazu beigetragen hat die intensiv betriebene Forschung, etwa im Bereich der Immuntherapien.

Erste Erfolge gab es bereits beim schwarzen Hautkrebs, beim Blasen-, Lungen- sowie beim Lymphdrüsenkrebs und bei Leukämien. Insbesondere bei Leukämie im Kindesalter: War die Medizin früher gegen diese Form von Blutkrebs machtlos, können heute vier von fünf Kindern gerettet werden.

Auch dank Erkenntnissen aus der Forschung ist das Wissen über Krebs in der Bevölkerung heute grösser. Viele Krebsbetroffene machen heute nach der Diagnose bereits von ihrem Recht auf Zweitmeinung Gebrauch, wozu sie von den Beratenden der Krebsliga in den Gesprächen ermutigt werden.

Oder bei der Prävention: Klar ist, dass regelmässige Bewegung nicht nur vor Krebs schützen kann, sondern auch Krebsbetroffenen hilft, die Nebenwirkungen der Therapien besser zu vertragen und das Risiko für einen Rückfall zu senken. Anlässlich des Weltkrebstages 2018 vom 4. Februar motiviert die Krebsliga mit der Unterstützung von prominenten Sportlerinnen und Sportlern deshalb in den sozialen Netzwerken für mehr Bewegung.

«Nationale Strategie gegen Krebs»

Mit diesen Entwicklungen steigt jedoch auch die Zahl derjenigen, welche mit einer Krebsdiagnose leben. Auf eine halbe Million dürfte die Zahl der sogenannten «Cancer Survivors» bis 2030 ansteigen. Ende 2017 haben Bund und Kantone die Weiterführung der «Nationalen Strategie gegen Krebs» (NSK) bis 2020 beschlossen, deren konsequente Umsetzung sich auch die Krebsliga Schweiz auf die Fahne geschrieben hat. Krebs wird damit zu einem bedeutenden Faktor für das Gesundheitswesen.

In diesem Zusammenhang ist der Aufruf der UICC (Union for International Cancer Control) zu mehr Chancengleichheit bei der Krebsbehandlung von grosser Relevanz. Viele Länder kämpfen mit steigenden Medikamentenkosten. Der Entscheid, ob eine Patientin oder ein Patient Zugang zur bestmöglichen Behandlung hat, darf nicht willkürlich sein und von der Erschwinglichkeit der Krebsmedikamente abhängen.

Meistern lässt sich die Herausforderung in den kommenden Jahren jedoch nur, wenn alle relevanten Akteure, von Fachorganisationen über Behörden bis hin zur Zivilgesellschaft, ihre Kräfte vereinen.

Autorin: Krebsliga Schweiz
 


 

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