Doch er lässt sich nicht entmutigen und meldet sich kurz nach seiner Diagnose für einen Triathlon an. Drei Monate nach abgeschlossener Chemo überquert er die Ziellinie. Im Internet wird er gefeiert und für viele Krebsbetroffene zum Vorbild. Daraus entsteht die Idee für das Filmprojekt «My Survival Story». Martin und seine Frau Katarina reisen durch 16 verschiedene Länder und dokumentieren inspirierende cancer survival stories. 

Martin, wie geht’s dir aktuell?

Sehr gut, danke der Nachfrage. Das Groteske ist ja, dass ich meinen Krebs nicht spüre und noch nie gespürt habe. Mit Ausnahme damals, als nach einer Pankreasentzündung die Diagnose gestellt wurde.


Ich muss alle drei Monate in die Röhre, anschliessend bekomme ich jeweils eine Antwort darauf, wie es meiner Krebserkrankung geht. 
 

Du hast kurz nach deiner Krebsdiagnose begonnen für einen Triathlon zu trainieren, aktuell bist du mitten im Training für den New York Marathon. Wie schaffst du das?

Wie gesagt, ich fühle mich körperlich sehr gut, und das zeigt sich auch im Training. Aus sportlicher Sicht bin ich heute fitter als vor meiner Krebsdiagnose. Schwierig ist der mentale Aspekt. Die Ungewissheit, was als Nächstes kommt, belastet mich.

Einen Umgang damit zu finden, ist eine grosse Herausforderung. Ich sehe mich immer wieder mit der Frage konfrontiert: Was mache ich mit meinem Leben? Die Sinnfrage stellt sich mir ständig. 

Wie ist die Idee zur Reise und zum Filmprojekt entstanden?

Die Idee schwirrte mir schon länger durch den Kopf, aber ich habe das Projekt immer vor mir hergeschoben. Der Auslöser für die Realisation war, dass der Krebs ein zweites Mal zurückgekehrt ist.

Ich dachte mir: «Jetzt oder nie.» Nach abgeschlossener Chemotherapie packten meine Frau und ich die Koffer und machten uns für drei Monate auf Reisen. Sozusagen nach der Therapie und vor dem nächsten Kontrolltermin. Wir lösten ein One-Way-Ticket nach Rio de Janeiro. Dort trafen wir unseren ersten cancer survivor.

Am Ende habt ihr 16 verschiedene Länder besucht und 30 cancer survivors dokumentiert. Welches Fazit ziehst du aus der Reise?

Die Geschichten haben mich extrem inspiriert und ich habe durch das Zuhören viel über mich selbst gelernt. Kulturell gibt es grosse Unterschiede, wie mit einer Krebserkrankung umgegangen wird. Amerikaner etwa sind sehr offen, in Asien spricht man nicht darüber. 

Der Umgang mit der Krankheit ist extrem spannend und facettenreich. Gleichzeitig habe ich auf der Reise auch gelernt, dass meine Hausaufgaben zu Hause auf mich warten. 

Gibt es eine Geschichte, die dich besonders berührt hat?

Eine? Mich hat jede einzelne Geschichte tief berührt. Zum Beispiel jene von Dr. Juliet aus Malaysia. Sie ist 89 Jahre alt und hatte in ihrem Leben fünf verschiedene Krebsarten. Sie hat schon so viel erlebt und überlebt. Solche Geschichten geben mir eine gewisse Ruhe und Gelassenheit. 

Wie hast du die Rückkehr in die Schweiz erlebt?

Zurückkommen war nicht einfach. Ich vergleiche es gerne mit der Krebstherapie. 

Man ist auf dieser Reise und soll danach wieder in den Alltag, in die Normalität zurückkehren. Es braucht eine Zeit, bis man sich wieder orientiert hat und sich zurechtfindet. 

Info

Alle Geschichten werden ab dem 10 Oktober 2018 fortlaufend auf http://www.mysurvivalstory.org publiziert.