Mediaplanet: Nachdem Sie Ihre Narben jahrelang versteckt hatten, entschieden Sie sich Ende des Jahres dazu, diese in einem mutigen Fotoshooting zu zeigen. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Es war mir wichtig, die Kontrolle über meinen eigenen Körper zu behalten und nicht einfach von einem Paparazzo am Strand abgelichtet zu werden. Das Fault Magazine war die perfekte Plattform, um meine Narben erstmals in der Öffentlichkeit zu zeigen.

«Ich hoffe, ich konnte damit die Botschaft vermitteln, dass man auch nach dem Kampf mit dem Krebs noch sexy und stark sein kann»

Ich habe dort mit einem sehr netten Team zusammengearbeitet, das mir das Gefühl von Sicherheit vermittelte. Die Fotos, die bei dem Shooting entstanden sind, sind grossartig.

Ich möchte anderen Frauen damit zeigen, dass ich mich für meine Narben weder schäme noch sie verstecken möchte und dass sie das auch nicht müssen.

Sie fühlen sich also trotz Narben wieder wohl in Ihrem Körper?

Mich vor der Kamera zu entblössen, war keinesfalls einfach. Aber ich bin glücklich darüber, dass ich die Möglichkeit hatte zu zeigen: «Das bin ich.» Ich hoffe, ich konnte damit die Botschaft vermitteln, dass man auch nach dem Kampf mit dem Krebs noch sexy und stark sein kann. Ich bin immer noch eine Frau.

Also ja, ich habe mich mittlerweile mit meinen Narben abgefunden und gelernt, mich trotz ihnen zu lieben.

Wie definieren Sie Weiblichkeit?

Weiblichkeit hat nichts damit zu tun, was sich auf dem Körper befindet. Brüste, keine Brüste: Ich bin eine Frau und lebe diese Weiblichkeit auch voll aus. Teil des britischen TV-Formats «Strictly Come Dancing» der BBC zu sein, war klar ein Teil davon, meine weibliche Seite durch Tanz wiederzufinden.

Ich hoffe sehr, dass ich durch das Zeigen meiner Narben auch andere Brustkrebsüberlebende dazu ermutigen konnte, sich trotz dessen, was der Krebs ihrem Körper angetan hat, fraulich zu fühlen.

Ihre Narben der Mastektomie befinden sich nicht am üblichen Ort. Warum?

Für den Aufbau der Brust wurde mir ein Stück Rückenmuskulatur entnommen. Ich habe zudem grosse Tätowierungen auf meinen Schultern. Die Ärzte haben deshalb versucht, die Narben unterhalb zu platzieren, damit die Tätowierungen weiterhin schön aussehen.

Sie haben den Krebs mittlerweile zweimal besiegt. Woher nahmen Sie die Kraft dafür?

« Gehen Sie in Foren, treffen Sie Leute, reden Sie über Ihre Krankheit und über das, was Sie gerade durchmachen»

Ich hatte unglaubliches Glück. Meine Freunde und meine Familie waren mein Fels in der Brandung. Doch auch so viele Fans rund um die Welt haben mich unterstützt. Sie gaben mir das Gefühl, nicht allein zu sein. Für diese grossartige Unterstützung bin ich ihnen wahnsinnig dankbar.

Gab es eine Zeit, in der Sie sich wünschten, Sie hätten Ihre Krebsdiagnose nicht mit der Öffentlichkeit geteilt?

Ganz und gar nicht. Mir war es wichtig, meine Bekanntheit zu nutzen, um das Bewusstsein für Brustkrebs zu stärken. Kürzlich habe ich zudem die Stiftung Cancer Research UK dabei unterstützt, Geld für die Krebsforschung zu sammeln. Ich bin eine der glücklichen Überlebenden. Ich sehe es deshalb als meine Pflicht, anderen zu helfen.

Als Sängerin haben Sie die Möglichkeiten, Millionen von Menschen zu inspirieren. Welches ist die wichtigste Botschaft, die Sie an Betroffene weitergeben möchten?

Ihr seid nicht allein! Das Internet mag seine Schattenseiten haben, aber es bietet auch viele Möglichkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, die das Gleiche durchmachen wie man selbst. Gehen Sie in Foren, treffen Sie Leute, reden Sie über Ihre Krankheit und über das, was Sie gerade durchmachen. Gemeinsam können wir den Krebs besiegen!