Herr Inderbitzin, bei Ihnen wurde 2012 ein Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Wie geht es Ihnen heute?

Es geht mir heute sehr gut und ich bin sehr dankbar dafür.

Wie haben Sie damals auf die Diagnose reagiert?

Die Diagnose war ein Schock. Vor allem als ich im Internet gelesen habe, dass 95 Prozent aller Bauchspeicheldrüsenkrebs-Patienten innerhalb von 3 Jahren sterben. Diese schreckliche Nachricht hat mich extrem belastet. Unterdessen habe ich aber gelernt, nicht jeder Statistik Glauben zu schenken.

Wie sah Ihre Therapie aus?

Ich habe mehrere Operationen und Chemotherapien durchgemacht und regelmässig eine psychoonkologische Betreuung in Anspruch genommen.

Dies hat mir sehr geholfen, meine mentalen Ressourcen zu stärken. Zudem habe ich mit dem Triathlon-Sport angefangen und ernähre mich gesünder als vor meiner Diagnose.

Wie haben Sie sich selber motiviert, für Ihr Leben zu kämpfen?

Als mir mein Arzt die Diagnose eröffnete, hat er mir eine Geschichte von einem ehemaligen Bauchspeicheldrüsenkrebs-Patienten erzählt, der schon mehrere Jahre überlebt hat.

Diese Geschichte gab mir Hoffnung und war auch der Anstoss, um mysurvivalstory.org zu kreieren, wo Betroffene aus aller Welt ihre Geschichte erzählen.

Wie fühlt es sich an, geheilt zu sein?

Ich finde «geheilt» ist ein schwieriger Begriff, da bei jeder Diagnose ein Restrisiko bleibt. Vielmehr bin ich sehr dankbar dafür, dass es mir heute gut geht, und mir ist auch sehr bewusst, dass dies nicht selbstverständlich ist.

Sie unterhalten eine eigene Website und führen einen Blog: Was bezwecken Sie damit?

Psychischer Stress ist eine der am meisten unterschätzten Nebenwirkungen einer Krebserkrankung. Mit den aussergewöhnlichen Geschichten auf mysurvivalstory.org zeigen wir, dass es möglich ist, zu überleben beziehungsweise trotz schlimmen Vorzeichen Lebensqualität zu finden.

Dies hat oft einen Stress-reduzierenden Effekt bei den Patienten. Wir wissen heute, dass Stress nicht nur unser Wohlbefinden beeinträchtigt, sondern auch die Kraft unseres Immunsystems reduziert und deshalb in jedem Fall während einer Krebserkrankung vermieden werden sollte.

Wie wollen Sie andere Betroffene über Krebs aufklären?

Krebs ist eine sehr persönliche Krankheit und jeder und jede reagiert anders auf eine Diagnose. In dem Sinn ist es nicht mein Ziel, andere aufzuklären.

Vielmehr will ich Inspiration verbreiten und dadurch Betroffene motivieren, die grossen Herausforderungen anzunehmen. Wie man mit einer Diagnose umgeht, muss aber am Schluss jeder und jede selber für sich herausfinden.

www.mysurvivalstory.org