Erkrankt ein Elternteil oder eine andere Bezugsperson an Krebs, ist das auch für Kinder sehr belastend. Denn Kinder spüren einerseits die Sorgen der Eltern, andererseits ändert sich oftmals der Alltag in der Familie. Krebs verändert das Familienleben grundlegend – vielleicht nicht für immer, aber meist für eine lange Zeit.

Einfühlsames Buch

Umso wichtiger ist es, Kinder über die Erkrankung aufzuklären und offen mit ihren Fragen und Ängsten umzugehen – dabei können ein Bilderbuch oder eine Geschichte helfen. Denn Geschichten und Illustrationen können Kinder und ihre Bezugspersonen oftmals dabei unterstützen, über ihre eigenen Gefühle nachzudenken und zu sprechen.

Ein besonders einfühlsames und für Kinder verständliches Buch ist «Das Jahr der blassen Sonnenblume», geschrieben von Silvia Roncaglia und illustriert von Cristiana Cerretti. Die Ideen und das Gesamtprojekt des Buches wurden im Rahmen des Brustkrebsforums «Europa Donna» von sechs Frauen, die alle eine Brustkrebsdiagnose erhielten, als ihre Kinder noch klein waren, entwickelt und umgesetzt.

Sonnenblume wird zum Symbol

Das Buch ist zwar eine erfundene Geschichte, aber gleichwohl die realistische Erzählung über eine Familie, die eines Tages mit einer unerwarteten und schwierigen Nachricht konfrontiert wird – der Brustkrebserkrankung der Mutter. Dabei wird die Sonnenblume zu einer wichtigen Metapher, um mit den Kindern über die Erkrankung zu sprechen.

Jeden Frühling gehen die Kinder mit ihrer Mama und ihrem Papa in den Garten, um Sonnenblumen zu säen, die dann langsam zu grossen Blumen heranwachsen. In dem Jahr aber, in dem Mama erfährt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist, wächst eine Sonnenblume heran, die anders ist als die andern und die ihr Gesicht nicht der Sonne zuwendet. Die Kinder nennen sie die blasse Sonnenblume. Für die Familie wird genau diese Blume – so verschieden von den anderen – zu einem wichtigen Symbol.

Ängste der Kinder verstehen

Das Buch bietet Eltern die Möglichkeit zu verstehen, was ihr eigenes Kind beschäftigen könnte und wo seine Ängste und Befürchtungen liegen. «Warum bist du denn krank geworden?» «Ihr könnt uns alles fragen, was ihr wollt», antwortet Mama, so, als hätte sie in meinen Gedanken die Frage gelesen, die ich mir nicht zu stellen traue. «Aber nicht auf alles gibt es eine Antwort.

Auch ich wüsste gern, warum ich krank geworden bin. Vielleicht können die Ärzte mir helfen zu verstehen, aber vielleicht bleibt es auch einfach unerklärlich. So wie bei der blassen Sonnenblume, die verkehrt herum steht.» Das Buch schenkt Hoffnung und Zuversicht, ohne dabei falsche Sicherheit zu geben. Am Ende, wenn der Mama wieder Haare wachsen und die Kinder ein Strahlen in ihrem Gesicht erkennen, setzen sie gemeinsam neue Sonnenblumensamen.

«Diesmal habe ich die Samen ganz besonders vorsichtig in die Erde gesetzt, langsam, einen nach dem anderen, und allen, jedem einzelnen, habe ich einen Wunsch zugeflüstert: dass sie gesund und stark wachsen mögen, bereit, sich der Sonne zuzuwenden.» Die italienische Originalausgabe wurde unterdessen auf Deutsch, Französisch und Englisch übersetzt. Das Buch erhielt mit dem «Arts and Humanities Award EBCC 2012» eine europäische Auszeichnung.Dank Sponsoren kann das Buch in der Schweiz gratis an Patientinnen und Patienten abgegeben werden. Interessenten können sich an ihr onkologisches Team wenden.