Damian, du bist vor sechs Jahren an Hodenkrebs erkrankt. Kannst du dich an die damalige Zeit erinnern?

Diese Zeit werde ich sicherlich nie vergessen… ich erinnere mich, wie ich damals einen Knoten in meinem Hoden ertastete. Ansonsten fühlte ich mich aber gesund und fit, hatte keine Schmerzen. Ich bat meinen Hausarzt um einen Überweisung an einen Urologen.

Nach verschiedenen Untersuchungen stand fest, dass da tatsächlich etwas wuchs, was da nicht hingehörte. Allerdings konnte man die Wucherung nicht punktieren und der Tumor musste operativ entfernt werden.

Danach stand relativ schnell fest, dass es Krebs ist.
 

Wie hast du die Diagnose erlebt?

Ich stand mitten im Leben, war vermeintlich gesund und dann das. Vom ersten Moment, als ich den Knoten spürte, bis zur endgültigen Diagnose vergingen etwa 5 Wochen. In dieser Zeit ging ich breits von einer Krebserkrankung aus.

Deshalb war die Diagnose auch nicht ein allzu grosser Schock und ich konnte gut damit umgehen. Ich erinnere mich allerdings an den Moment als die Diagnose stand und meine Welt für einen kurzen Moment zusammenbrach.

Nach der Diagnose war für mich klar, dass ich alle nötigen Therapien mache und danach wieder gesund bin. Einen anderen Gedanken liess ich nicht zu. Ich habe mich sehr auf meine Ärzte verlassen und gar nicht damit begonnen, im Internet zu recherchieren oder mich mit möglichen Prognosen zu beschäftigen.

Ich hatte auch kein Bedürfnis, mich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Bei weiteren Abklärungen wurde festgestellt, dass der Tumor bereits zwei Ableger im Bauchraum gebildet hatte. Welche Behandlungen wurden durchgeführt?

Diese Ableger wurden mit Chemotherapie behandelt und waren glücklicherweise nach drei Zyklen weg. Ich musste danach alle zwei Monate zur Kontrolle, bei der u.a die Tumormarker gemessen wurden.

Alle sechs Monate wurde zudem ein MRI mit Kontrastmittel zum Aufspüren möglicher Krebsherde durchgeführt. Die Kontrolluntersuchungen erfolgten dann in immer grösseren Abständen, bis nach fünf Jahren die letzte grosse Untersuchung in der Onkologie gemacht wurde.

Danach bekam ich ein Schreiben in dem stand: «cancer survivor», was aus medizinischer Sicht offiziell «geheilt» bedeutet. Das war schon ein befreiender Moment.

Trotz Operation und Chemotherapie hast du dein Architekturstudium durchgezogen und deinen Alltag so weit wie möglich «normal» weitergeführt. Wie hast du das geschafft?

Es war mir von Anfang an wichtig, dass ich mein Studium nicht unterbrechen muss. Wenn ich zurückdenke, war es einerseits gut, dass ich meinen Alltag mehr oder weniger aufrechterhalten konnte, andererseits war es eine extrem anstrengende Zeit.

Es ist krass, was die Medikamente mit mir gemacht haben. Ich hatte zum Beispiel eine viel langsamere Wahrnehmung, konnte teilweise nicht einmal mehr den Strassenverkehr einschätzen.

Ich hätte das alles nicht geschafft ohne mein Umfeld, das mich extrem unterstützte und sich um mich kümmerte. Meine Mutter kam während der Chemo fast täglich von Bern nach Zürich, um für mich einzukaufen und zu kochen.

Kommilitonen brachten mir den verpassten Stoff der Vorlesungen. Auch Leute, mit denen ich zuvor nicht viel zu tun hatte, besuchten mich im Spital und brachten Geschenke mit. Es gab mir ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich nicht alleine bin. Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, habe ich durchaus auch positive Gedanken.

Im Sommer 2017 bekamst du offiziell die Bestätigung, dass du geheilt bist. Überfällt dich manchmal der Gedanke, dass der Krebs zurückkommen könnte?

Hin und wieder überkommt mich dieser Gedanke und damit auch die Angst. Allerdings immer seltener. Ich habe allerdings gelernt gut damit um zu gehen.

Kannst du anderen Betroffenen Ratschläge geben?

Ratschläge sind schwierig. Auch ich habe damals gut gemeinte Tipps bekommen, die ich überhaupt nicht vertragen habe.  Jeder muss selber seinen Weg finden, mit so einer Krankheit umzugehen.

Mir hat es geholfen, den Alltag soweit wie möglich aufrechtzuerhalten und der Glaube daran, dass alles gut kommen wird.