An die Diagnose erinnere ich mich noch genau

Mein Arzt schaute mich mit ernster Miene an und teilte mir mit, dass ich an einem Multiplen Myelom erkrankt sei.

Ich dachte nur «Multiples Was?» Ich hatte noch nie etwas über die Krankheit gehört, geschweige denn, hätte ich sie richtig buchstabieren können.

Die Diagnose kam für Helmut Sommer völlig überraschend. Denn krank gefühlt, hatte er sich eigentlich nicht. Vielleicht müder und kraftloser als früher.

«Ich war beruflich viel im Ausland und bin von jeder Reise mit einem neuen Infekt und völlig erschlagen zurückgekehrt. Ich schob das aber aufs Alter und dachte, dass ich einfach mehr Sport treiben muss, um fit zu werden.»

Doch nach jedem Besuch im Fitnessstudio war er danach zwei Tage nicht mehr zu gebrauchen. Also trainierte er noch härter, um seine Kondition zurückzubekommen.

Irgendwann ging er dann zum Hausarzt und wurde weiter zum Hämatologen überwiesen. Nie hätte Helmut Sommer mit solch einer Hiobsbotschaft  gerechnet.

«Mir war das ganze Ausmass der Erkrankung gar nicht bewusst. Ich fühlte mich ja nicht schlecht, hatte keine Schmerzen. Ich sagte zu meinem Arzt, dass ich in drei Tagen beruflichen nach Indien reisen muss.

«Herr Sommer, wir fangen morgen mit der Chemotherapie an. Vergessen Sie Indien.» Erst da habe ich realisiert, was eigentlich los ist und dass es ziemlich ernst sein muss.»

Ich war nie völlig am Boden

Obschon die Behandlungszyklen alles andere als ein Spaziergang sind, erzählt Helmut Sommer, dass es ihm während der ganzen Zeit nie richtig schlecht ging. «Meine Frau nannte mich oft den gesunden Kranken. Es war fast eine absurde Situation.

Ich war faktisch schwer krank, fühlte mich körperlich aber ziemlich wohl.»

Nach der Chemotherapie versuchte man im Rahmen einer Studie, mit neuen Medikamenten eine Stammzelltransplantation zu umgehen.

Diese schlugen allerdings nicht wie erhofft an und es wurde dennoch eine Transplantation nötig.  Man entschloss sich zur sogenannten autologen Stammzelltransplantation.

Dabei werden dem Patienten eigene Knochenmark- oder eigene Blutstammzellen übertragen, die ihm zuvor – in der Phase der Remission – entnommen wurden.

«Vor der Transplantation hatte ich grosse Angst. Allerdings habe ich auch diese viel besser vertragen als erwartet. Ich war nie völlig am Boden.» Nach einer zweiten Stammzelltransplantation sind Helmut Sommers Blutwerte inzwischen im Normbereich.

So genau wissen möchte er das allerdings gar nicht. «Die vielen Unterlagen zu meinen Blutwerten schaue  ich mir gar nicht mehr an. Mir geht es gut und das ist die Hauptsache.»

Offener Umgang mit der Krankheit

Und, hat ihn die Krankheit verändert? «Ja, das hat sie. Und zwar im positiven Sinne. Ich sehe viele Sachen heute gelassener, fühle mich besser als früher und hetze nicht mehr im Beruf herum. Ich bin durch die Krankheit auch meinem Glauben näher gekommen und lebe diesen heute viel intensiver.» 

Ein Tabuthema hat er aus seiner Krankheit nie gemacht. Im Gegenteil. Direkt nach der Diagnose verschickte er eine Mail an alle Arbeitskollegen und informierte über seinen Gesundheitszustand. «Ich bekam extrem viel positives Feedback zurück.»

Demnächst steht die vierteljährliche Kontrolle an. Nervös? «Die Tage vorher bin ich schon unruhig und hoffe, dass alle Werte im Rahmen sind. Aber ich fühle mich gut und bin deswegen zuversichtlich.»