Begonnen hatte alles mit einem scheinbar harmlosen Husten. «Ich hatte über einen längeren Zeitraum einen hartnäckigen Husten, diesen jedoch nicht ernst genommen. Als ich meinem Arzt davon berichtete, schickte er mich zum Röntgen. Leider sah meine Lunge nicht gut aus – Diagnose: Lungenkarzinom.» Nach diversen Untersuchungen und dem Entscheid, dass nicht operiert werden sollte, folgten Bestrahlungen und danach Chemotherapie.

«Die Ärzte erklärten mir, dass ich mir die Chemotherapie wie einen Schlüssel zur Türe vorstellen kann; es braucht oftmals einige Versuche, bis der passende Schlüssel greift.» So war es dann auch bei Walter Lussi. Die ersten Versuche mit schwachen Chemotherapeutika zeigten keinen Erfolg. «Nach einem Jahr wurde ich auf eine starke Chemotherapie umgestellt. Hier hatte ich zwar alle erdenklichen Nebenwirkungen, aber sie schlug an.»

Ziel der Behandlung ist es, dass der Tumor stillgelegt wird und mir keine Beschwerden macht. Heilbar ist er nicht

Als Folge der Chemotherapie hatte Walter Lussi mit Wasser auf der Lunge zu kämpfen. «Ich litt unter starker Atemnot und mir wurden jeweils literweise Wasser von der Lunge gepumpt.» Die Ärzte entschieden sich daraufhin, Walter Lussi einen Schlauch in den Pleuraspalt zu operieren. Dieser diente dazu, kontinuierlich die Flüssigkeit aus dem Brustraum zu saugen. «Ich habe gezählt: Insgesamt wurden mir damit 29 Liter Wasser abgesaugt! Leider bekam ich dann eine Entzündung und der Schlauch musste entfernt werden.»

Teilnahme an Immuntherapiestudie

Vergangenen Sommer dann eine weitere Hiobsbotschaft: Die starke Chemotherapie zeigte keine Wirkung mehr. «Da es keine anderen Therapiemöglichkeiten für mich gab, bekam ich die Möglichkeit, an einem Forschungsprogramm mit der Antikörpertherapie teilzunehmen.» Ziel: Ein Antikörper soll das Immunsystem von Walter Lussi gegen den Feind in seinem Körper mobilisieren.

Der Antikörper wird momentan klinisch darauf hin untersucht, ob er dem Immunsystem des Körpers hilft, gegen Tumorzellen zu wirken. Das entsprechende Medikament wurde noch nicht von der schweizerischen oder europäischen Gesundheitsbehörde zugelassen. «Anfänglich haben sich viele Nebenwirkungen gezeigt und es ging mir richtig schlecht. Besonders die Atemnot machte mir zu schaffen und ich habe Sauerstoff gebraucht. Danach ging es mir immer besser, vor allem konnte ich wieder gut atmen.» Vergangenen Oktober dann der nächste Schlag: Walter Lussi bekam einen Hirninfarkt und musste die Antikörpertherapie für einige Zeit unterbrechen.

«Der Infarkt stand nicht im Zusammenhang mit der Therapie. Jedoch musste ich neue Medikamente einnehmen und es wurde zuerst geprüft, wie sich diese mit der Antikörpertherapie vertragen.» Nach einiger Zeit konnte die Antikörpertherapie fortgesetzt werden. Mit spürbarem Erfolg für Walter Lussi: «Ich musste kaum mehr husten und hatte keinen Auswurf mehr. Ein Zustand, den ich so seit Jahren nicht mehr kannte. Seither geht es mir richtig gut. Die einzige Nebenwirkung die ich heute noch habe, ist Müdigkeit und manchmal eine gewisse Lustlosigkeit.»

Sogar ins Fitnessstudio geht Walter Lussi heute wieder. Das letzte Computertomogramm liess Walter Lussis behandelnde Ärztin beinahe Freudensprünge machen. «Sie hat gesagt, dass mein Verlauf unglaublich gut sei und die Immuntherapie Erfolg zeige.» Das Programm läuft weiter und Walter Lussi blickt optimistisch in die Zukunft. «Ziel der Behandlung ist es, dass der Tumor stillgelegt wird und mir keine Beschwerden macht. Heilbar ist er nicht.»

Die grösste Stütze für Walter Lussi ist seine Ehefrau. «Wir versuchen immer das Beste aus unserer Situation zu machen und positiv zu bleiben – in jeder Lebenslage.»

Krebskranke Angehörige unterstützen

Eine Krebsdiagnose ist für Patienten und ihre Angehörigen ein Schlag, der den Alltag und die Lebensplanung völlig verändert. «Wir hatten auch ganz andere Pläne, wollten unsere Pensionierung geniessen und reisen», erzählen Walter Lussi und seine Ehefrau. «Plötzlich ist dann alles andere unwichtig und es steht nur noch die Gesundheit im Vordergrund.

Unser Motto war jedoch immer: Man muss das Leben nehmen, wie es kommt, und das Beste daraus machen.» Diese positive Lebenseinstellung ist es denn auch, die den Lussis immer wieder neue Kraft gibt. Wann und wie ein Angehöriger auf die Veränderungen in seinem Leben reagiert, ist individuell ganz unterschiedlich. In jedem Fall sind die Angehörigen aber besonders gefordert und fallen mit ihren Sorgen oftmals unter den Tisch, weil im Vordergrund der Erkrankte steht.

Es geht ja nicht um sie, sondern die Sorge um den kranken Angehörigen, und seine Bedürfnisse stehen im Vordergrund. Auch das Umfeld fokussiert sich eher auf den Kranken als auf dessen Angehörige. Studien zeigten aber, dass die Seele von Partnern genauso leidet wie die der Krebspatienten. Angehörige geraten unter erheblichen Stress, erleben innere Konflikte, fühlen Trauer, Schuld und Wut.

Sie wollen unbedingt helfen – und kommen dabei oftmals selber an den Anschlag.  Umso wichtiger ist es, dass sich auch Angehörige immer wieder eigene Freiräume schaffen und sich Gutes tun. «Mir hat es schon geholfen, einen ausgiebigen Spaziergang mit dem Hund zu machen und in der Natur neue Energien zu tanken», sagt Frau Lussi.