In Gedenken an Jörg Schneider
In Gedenken an Jörg Schneider

7. Februar 1935 - 22. August 2015

Herr Schneider, wie geht es Ihnen?

Danke der Nachfrage, es geht mir eigentlich ganz gut. Ich war heute wieder bei der Chemotherapie und diese schlägt glücklicherweise sehr gut an. Die Ärzte sind zufrieden mit mir.  (lacht)

Was waren die ersten Anzeichen, die auf eine schwerwiegende Erkrankung hingedeutet haben?

Bereits vor vier Jahren erkrankte ich an Prostatakrebs. Ich habe also keinen eigentlichen Leberkrebs, sondern Metastasen in der Leber. Der Krebs geht von der Prostata aus. Hier hatte ich die typischen Symptome – Beschwerden beim Wasserlösen und häufiger Harndrang. Im vergangenen Sommer, mitten in den Proben zu Häppy Änd, fühlte ich mich zusehends schlecht, war wahnsinnig müde, ausgelaugt und hatte Schmerzen. Auf dem Röntgenbild entdeckte man dann die Metastasen in der Leber.

Mit der Diagnose ist Ihr Leben, sind Ihre Pläne vom einen Moment auf den anderen zusammengebrochen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Die Diagnose – ich nenne es mein Urteil –  war ein Schock und mit ihr brach erst einmal alles zusammen. In dem Moment war ich einfach nur leer. Ich hatte Pläne, wollte unbedingt meine Tournee antreten und auf der Bühne stehen. Es sollte meine Abschiedstournee werden. Danach wollte ich meine Frau, die ebenfalls im Rollstuhl sitzt, pflegen. Nun ist es umgekehrt. Meine Frau war und ist mir in jedem Moment eine grosse Stütze. Eine solche Diagnose muss man erst einmal verkraften. Inzwischen gibt es auch wieder sonnige Tage und der Humor kehrt zurück.

Hatten Sie Ihren Humor denn verloren?

Ich war immer ein Optimist und es macht mir grosse Freude, die Menschen zum Lachen zu bringen. Aber es gab und gibt schon Momente, in denen mir gar nicht zum Lachen zumute ist. Inzwischen ist mein Humor aber wieder zurückgekehrt und ich kann auch hin und wieder über mich selbst lachen. Mit Humor ist vieles einfacher zu ertragen.

Wie gehen Ihre Familie und Ihr Bekanntenkreis mit Ihrer Erkrankung um?

Ich bekomme viel Unterstützung von allen Seiten, aber meine wichtigste Stütze ist meine Frau. Wir sind seit 51 Jahren verheiratet und durch gute und schwere Zeiten miteinander gegangen. Sie stösst mich immer wieder an und sagt: «Gib nicht auf!». Die Beziehung ist durch die Krankheit nochmals enger geworden. Wir halten zueinander, geben uns Kraft. Vor allem sie mir. Der Krebs hat uns noch mehr verbunden. Auch die Öffentlichkeit nimmt fast übermässig Anteil an meiner Krankheit. Täglich bekomme ich Briefe und Mails mit gut gemeinten Ratschlägen – manche brauchbar, andere abenteuerlich. Leider fehlt mir die Kraft und die Zeit, alle Briefe und Mails zu beantworten.

Was hat sich in Ihrem Leben seit der Krebsdiagnose verändert?

Der grösste Einschnitt ist sicherlich, dass ich nicht mehr auf der Bühne stehen kann. Und, dass ich meine Frau nicht pflegen kann. Das schmerzt. Der Körper will einfach nicht mehr. Ich sitze im Rollstuhl und bin auf die Spitex angewiesen. Ansonsten muss man sich mit der Endlichkeit des Lebens auseinandersetzen – die Zeit läuft nun schneller ab als bisher. Das bin ich mir bewusster denn je.

Wie werden Sie derzeit behandelt?

Ich bekomme nach wie vor alle zwei Wochen Chemotherapie und muss engmaschig zur Kontrolle. Die Chemotherapie vertrage ich zum Glück sehr gut und es sind Erfolge sichtbar.

Wie stehen Ihre Prognosen?

Die Metastasen in der Leber sind deutlich kleiner geworden und wir sind sehr zuversichtlich. Die Prognosen sind laut den Ärzten gut.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass ich noch etwas Zeit habe auf dieser Welt. Ich möchte jeden Moment mit meiner Frau geniessen.