Rund 5700 Frauen trifft die Diagnose Brustkrebs in der Schweiz, jährlich sterben fast 1'400 daran. ​Der Verein Europa Donna ist ein europäisches Netzwerk für Betroffene, Angehörige und Fachleute.

Eines der Ziele von Europa Donna ist die Früherkennung durch systematische Screenings, was auch in der Schweiz heute noch nicht in allen Kantonen möglich ist. 2003 wurde EDS in der Schweiz ins Leben gerufen und zählt heute rund 250 Mitglieder.

«9 von den 10 Frauen in unserer Gruppe wurden mit einem Knoten in der Brust von ihrem Arzt mit dem Verweis auf ihr Alter wieder heimgeschickt – wir mussten selbst darum kämpfen, dass die Diagnose Brustkrebs überhaupt gestellt wird...»

Eine kleine Gruppe davon – es sind genau 10 Frauen – vertritt den geringen Prozentsatz jener Personen, die unter dem Altersdurchschnitt erkranken. Ihre Mitglieder sind 28 bis 40 Jahre alt. Ricarda Bender-Gàl ist eine davon. Das EDS-Vorstandsmitglied erhielt die Diagnose mit 30.

Jüngere Frauen haben in dieser Krankheit einen ungleich grösseren Feind als ihre älteren Geschlechtsgenossinnen. Denn wer mit 30 erkrankt, hat entweder schon ein junges Kind – oder würde gerade gern eines bekommen.

«Es ist nicht einfach für eine Frau, die mit Krebs kämpft, ihrem dreijährigen Kind zu erklären, warum es ihr gerade nicht gut geht», sagt Ricarda Bender-Gàl. Zudem stehen jüngere Frauen mitten im Berufsleben.

Die Antihormontherapie, die heute angesetzt wird, dauert fünf bis zehn Jahre. Für viele Frauen bedeutet dies nebst der Krebs-Diagnose noch das Urteil, dann schon zu alt für Kinder zu sein.

In einer aktuellen Studie «Positiv», die von EDS unterstützt wird, kann die Therapie unter ärztlicher Beobachtung für zwei Jahre unterbrochen werden, um der Schwangerschaft eine Chance zu geben.

Ricarda Bender-Gàl selbst hat die Antihormontherapie wegen der starken Nebenwirkungen abgebrochen, mit dem Risiko, sich bei einer Rückkehr des Krebses zum Teil selbst die Schuld daran zu geben.

Sie hält den Austausch innerhalb von Europa Donna für «extrem wichtig, weil wir untereinander offener sprechen als mit der eigenen Ärztin.» Warum es wichtig ist, sich mit Gleichaltrigen treffen zu können, liegt auf der Hand: Alle anderen Angebote von Selbsthilfegruppen richten sich an Frauen über 50.

Dabei machen junge Frauen schon jetzt 8 Prozent aller Erkrankten aus. Die Medizin ist sich uneins, ob die Gruppe der Jüngeren wächst. Derzeit werden Abklärungen vorgenommen, warum etwa in Genf eine Häufung festgestellt wird.

Bender-Gàl: «9 von den 10 Frauen in unserer Gruppe wurden mit einem Knoten in der Brust von ihrem Arzt mit dem Verweis auf ihr Alter wieder heimgeschickt – wir mussten selbst darum kämpfen, dass die Diagnose Brustkrebs überhaupt gestellt wird. Darum raten wir jungen Frauen: Dranbleiben.» Und sie rät den Hausärzten, diese jungen Frauen ernst zu nehmen. 

www.europadonna.ch