Welche Massnahmen zur Früherkennung von Brustkrebs gibt es?

Neben der regelmässigen Selbstuntersuchung der Brust durch die Frau steht die Mammographie als etablierte Vorsorgeuntersuchung zur Verfügung. Damit können frühzeitig bösartige Brustveränderungen entdeckt werden, welche weder durch die Frau noch durch den Arzt zu tasten sind. Eine solche Frühdiagnose ist entscheidend für eine sehr gute Heilbarkeit. Auch wenn in der Presse das Thema Mammographie-Vorsorge teilweise kontrovers diskutiert wird, gehört sie unumstritten zu den effektivsten Massnahmen für die Früherkennung des Brustkrebses.

Wie reagieren Frauen auf eine Brustkrebsdiagnose?

Die Diagnose Brustkrebs löst in der Regel Ängste aus, Angst vor den anstehenden Behandlungen, Angst und Ungewissheit bezüglich der Zukunft, ja, sogar Angst vor einem baldigen Tod. Bei jüngeren Patientinnen bestehen auch grosse Sorgen um mögliche negative Folgen der Brustkrebstherapie auf die Familienplanung.

Wie dies alles bei der einzelnen Patientin zum Ausdruck kommt, ist sehr individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine professionelle Kommunikation und Begleitung der Frau während der ersten schwierigen Phase der Diagnosestellung hat einen grossen Einfluss auf die Einstellung der Patientin zu ihrer Erkrankung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung beruht auf zwei Prinzipien: Einerseits die Lokaltherapie, welche die operative Behandlung des Tumors in der Brust und die Bestrahlung der operierten Brust umfasst. Andererseits gibt es zusätzlich die Möglichkeit einer sogenannten Systemtherapie, mit welcher der Körper gegen die Streuung des Krebses in andere Organe geschützt wird.

Dazu stehen medikamentöse Behandlungen wie die Hormontherapie, die Chemotherapie und auch die Immuntherapie zur Verfügung. Wissenschaftliche Fortschritte in diesen Bereichen haben zu einer kontinuierlichen Senkung der Brustkrebssterblichkeit geführt.

Besonders vor dem Verlust der Brust haben viele Frauen Angst. Wann kann brusterhaltend operiert werden?

Die Grösse des Tumorknotens im Verhältnis zur Brust entscheidet grundsätzlich, ob brusterhaltend operiert werden kann. Eine Brusterhaltung kann in ca. 70 Prozent der Fälle gemäss Zahlen unseres Brustzentrums erreicht werden. In Fällen, bei denen eine Brusterhaltung nicht möglich ist, kann diese entweder direkt während der gleichen Operation oder mit einem Zweiteingriff nach der Brustentfernung wiederhergestellt werden.

Die Rekonstruktion der erkrankten Brust erfolgt entweder mit Implantaten, dieselben wie auch für die kosmetische Brustvergrösserung verwendet werden, oder mit eigenem Gewebe, welches von anderen Körperstellen entnommen wird.

Welche Auswirkungen hat eine Brustkrebserkrankung auf den Alltag der betroffenen Frau?

Die kurzfristigen Auswirkungen einer Brustkrebsdiagnose auf den Alltag sind meist nicht körperlicher, sondern psychosozialer Natur. Durch die temporäre Arbeitsunfähigkeit, aber auch den möglichen Chemotherapie-bedingten Haarausfall ist die Frau oft gezwungen, die Erkrankung nicht nur mit den engsten Angehörigen zu teilen, sondern auch Freunde und Kollegen einzuweihen.

Dies kann einerseits für die Bewältigung und den Umgang mit den Nebenwirkungen unterstützend wirken, wird aber oft auch als unangenehm und stigmatisierend erlebt. Weitere wichtige beeinträchtigende Auswirkungen können aber auch je nach Alter das Körperbewusstsein, die Familienplanung und das Sexualleben betreffen. Zu den wichtigsten langfristigen Auswirkungen gehört die bleibende Ungewissheit über einen möglichen Rückfall der Erkrankung, welche die Frauen noch einige Jahre lang begleitet.

Welche neuen Therapiemöglichkeiten gibt es?

Bei der Lokaltherapie geht der Trend in Richtung minimal-invasiver Eingriff. So wurde zum Beispiel die komplette Ausräumung der Achsellymphknoten weitgehend durch die Wächterlymphknotenbiopsie (Sentinel-Technik) ersetzt. Die Entwicklung von potenten medikamentösen Therapien ermöglicht ebenfalls eine weniger radikale Chirurgie im Falle, dass die Chemotherapie vor der Operation verabreicht wird und dadurch der Tumor stark schrumpft.

Die intraoperative Bestrahlung ist eine weitere wichtige Entwicklung der lokalen Brustkrebstherapie, bei der bereits während der Operation die Bestrahlung gezielt eingesetzt werden kann. Diese Methode wird in der Regel an kleineren Spitälern nicht angeboten, gehört aber bei etablierten Brustzentren zum Standard.

Wo steht die Forschung?

Fortschritte im Verständnis der Biologie des Brustkrebses ermöglichen die gezieltere und stärkere Bekämpfung des Brustkrebses, ohne dabei die gesunden Körperzellen stark zu beeinträchtigen. Einige Substanzen gehören bereits zur Routinetherapie, viele andere werden noch im Rahmen von klinischen Studien an Patientinnen mit Brustkrebs getestet. Insgesamt geht der Trend in Richtung der individualisierten/personalisierten Medizin, bei der die Therapie auf die jeweilige Patientin zugeschnitten wird.