Mit umfangreichen Präventionskampagnen konnten die Todesfälle aufgrund von Brustkrebs gesenkt werden. Dagegen hat Karl Ehrenbaum selbstverständlich nichts. Doch der Gesundheitsökonom hat gerechnet und Zahlen verglichen. Dabei ist ihm ins Auge gestochen, dass prozentual mehr Männer an Prostatakrebs sterben als Frauen an Brustkrebs. Prostatakrebs, nach dem Lungenkrebs die häufigste Todesursache bei Männern, ist für 4,3 Prozent der männlichen Todesfälle verantwortlich, Brustkrebs für 4 Prozent bei Frauen. «Doch die Krankheit ist kaum ein Thema in der Bevölkerung», zeigt sich Ehrenbaum besorgt.

Eine weitere Ungleichbehandlung stellt er zudem bei der Kostenübernahme fest: Männer müssen sowohl Vorsorgeuntersuchung ohne vorhergehende Beschwerden als auch minimalinvasive Behandlungen selber bezahlen, es sei denn, sie haben eine Zusatzversicherung. Dagegen werden Brustuntersuchungen und –behandlungen über die Grundversicherung abgedeckt. In Kantonen, die grossangelegte Mammographie-Screening-Programme lanciert haben, wird den Frauen auch der Selbstbehalt erlassen.

Für Männer kein Thema

«Männer müssen mehr für Gesundheitsthemen sensibilisiert werden», ist Ehrenbaum überzeugt. Denn gerade der Prostatakrebs habe eine gute Prognose, wenn er in einem frühen Stadium entdeckt werde. Frauen seien sich der Risiken bewusster, wohl auch weil sie seit jeher präsenter waren im Gesundheitswesen. «Die Gesundheit ist weiblich», stellt Ehrenbaum fest. Irritiert habe den Versicherungsexperten, dass sich nicht alle Ärzte dieses Missstands bewusst sind.

Als Mitglied einer Arbeitsgruppe der Krebsliga hat er seine Zahlen kürzlich präsentiert und damit Erstaunen ausgelöst. Um mehr Männer für das Thema zu sensibilisieren, müsste auch die Ärzteschaft eingebunden werden, findet Ehrenbaum. Die Medien sollten das Thema vermehrt aufgreifen und es brauche Kampagnen auf verschiedenen Kanälen, um breite Bevölkerungsschichten zu erreichen.

Mehr vorsorgen statt heilen

Um auf die Ungleichheit aufmerksam zu machen, ist Ehrenbaum mit der Krebsliga, dem Bundesamt für Gesundheit und der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz in Kontakt. Denn es brauche auch politische Entscheide: Ebenso wie Mammographien sollten Prostata-Vorsorgeuntersuchungen und minimalinvasive Behandlungen kassenpflichtig werden, findet der Betriebswirt.

Generell investiere die Schweiz zuwenig in die Prävention. Auch dazu hat er Zahlen bereit: Mit etwa zwei Prozent der Gesundheitskosten gibt die Schweiz nur etwa die Hälfte wie andere OECD-Länder für präventive Massnahmen aus. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis falle zudem nicht immer günstig aus: Wenn man das Via-Secura-Programm um 250 Millionen Franken aufstocke, könne man die Zahl der Verkehrstoten von 300 auf 250 jährlich reduzieren, schätzt Ehrenbaum. Würde zusätzlich der gleiche Betrag für Aufklärung über so häufige Krankheiten wie Prostatakrebs aufgewendet, könnten noch viel mehr Menschen gerettet werden.