Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich dort, wo die Gebärmutter in die Scheide hineinragt, im Muttermund. Die Krebszellen vermehren sich zunächst im Gebärmutterhals, anschliessend können sie sich auf die Haltebänder der Gebärmutter und die gesamte Gebärmutter selbst ausbreiten.

«In fortgeschrittenen Stadien dringt der Krebs in angrenzende Organe ein wie zum Beispiel in die Blase oder den Mastdarm. Damit verbunden ist das Risiko, dass sich in weiter entfernten Organen Ableger bilden, etwa in den Lymphknoten oder in der Lunge», erklärt Prof. Dr. med. Michael Mueller vom Universitätsspital Bern.

Vor allem jüngere Frauen

Jährlich erkranken in der Schweiz rund 4 000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen und 250 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Knapp die Hälfte der Patientinnen ist zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre. In den industrialisierten Ländern hat die Häufigkeit der Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen. Ausschlaggebend dafür sind Früherkennungsmassnahmen wie der «Krebsabstrich».

Verschiedene HPV-Typen

Nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs werden durch bestimmte Formen von Viren ausgelöst, den humanen Papillomaviren (HPV). Von den 150 bekannten HPV-Typen sind rund 15 krebserregend. Die zwei häufigsten krebserregenden HPV sind die Typen HPV 16 und HPV 18. Man findet sie bei rund 70 Prozent aller Frauen mit Gebärmutterhalskrebs. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer HPV-Typen, die Krebs auslösen können. «HPV werden durch Geschlechtsverkehr oder über direkten Hautkontakt übertragen.

Man nimmt an, dass sich etwa 70 bis 80 Prozent aller sexuell aktiven Frauen und Männer im Verlauf ihres Lebens mindestens einmal mit einem HPV anstecken», sagt Mueller. In der Regel heilt eine HPV-Infektion ohne Folgen aus, nur in wenigen Fällen wird die Infektion chronisch. Dann nisten sich die Viren in den Zellen des Gebärmutterhalses ein und regen dort die Zellteilung an. Dadurch steigt das Risiko der betroffenen Frauen, dass eine Krebsvorstufe oder im schlimmsten Fall Gebärmutterhalskrebs entsteht.

Früherkennung durch Krebsabstrich

«Gebärmutterhalskrebs gehört zu den wenigen Krebsarten, die sich frühzeitig erkennen und behandeln lassen», betont Mueller. Deshalb ist es wichtig, dass sich Frauen regelmässig einer gynäkologischen Früherkennungsuntersuchung unterziehen und den «Krebsabstrich» vornehmen lassen.

Auf diese Weise lassen sich bereits Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses entdecken, die in der Regel relativ schonend behandelt werden können. Bisher gab es nur beschränkte Möglichkeiten, Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen. Massnahmen wie eine gute Intimhygiene und der Gebrauch von Präservativen können das Risiko für eine Erkrankung zwar senken, aber nicht eliminieren.

Keine Krebsimpfung

In den letzten Jahren sind Impfstoffe auf den Markt gekommen, die eine Ansteckung mit bestimmten Typen von HPV verhindern können. Die Impfung sollte möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Die HPV-Impfung wird oft als «Impfung gegen Krebs» bezeichnet. «Diese Annahme ist falsch. Die HPV-Impfung schützt nicht direkt vor Krebs, sondern vor der Ansteckung mit bestimmten Krankheitserregern, die möglicherweise krebserregend sein können.

Deshalb kann auch eine Frau, die eine HPV-Impfung erhalten hat, an Gebärmutterhalskrebs erkranken», warnt Mueller. Allerdings ist das Krebsrisiko für geimpfte Frauen deutlich kleiner. Die beiden in der Schweiz approbierten Impfstoffe sind bei Mädchen und jungen Frauen zwischen 9 und 26 Jahren zugelassen, einer der beiden Impfstoffe ist in der Schweiz bis 45 zulässig.


Bei Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen können veränderte Areale mit dem Laser herausgeschnitten werden. Bei Frühstadien von Gebärmutterhalskrebs kann bei Frauen mit Kinderwunsch dank moderner minimal-invasiver Verfahren die Fertilität erhalten werden. Im fortgeschrittenen Stadium muss die Gebärmutter entfernt werden, manchmal mit den Eierstöcken. Zur Anwendung können zusätzlich Strahlen- und Chemotherapie kommen. HPV sind auch für einige Hals- und Mundkrebsarten sowie Schamlippen- und Analkrebs ursächlich.