Möglichst langes Stillen bringe neben optimaler Ernährung für das Baby zusätzliche Vorteile für die Mutter, betont Veronika Studer Bärlocher, International Communication Manager von Medela AG, Medical Technology Schweiz: «Stillen verringert unter anderem nachgeburtliche Blutungen und die Wahrscheinlichkeit einer Blutarmut und hat zudem auch eine schützende Wirkung gegen verschiedene Krebsarten wie Brustkrebs oder Eierstockkrebs.»

Muttermilch sei zudem leicht verfügbar. Damit könnten Energie, Zeit und Geld gespart werden. Unterschiedliche Studien hätten gezeigt, dass durch Langzeitstillen das Brustkrebsrisiko möglicherweise vermindert wird, sagt Veronika Studer Bärlocher. Von zentraler Bedeutung sei dabei die Unterscheidung von prämenopausalem und postmenopausalem Brustkrebs: «Das Stillen über längere Zeit hat insbesondere auf den prämenopausalen Brustkrebs einen positiven Einfluss.

Das heisst, wer ein oder mehrere Babys stillt, kann statistisch gesehen das Brustkrebsrisiko um einen Fünftel bis einen Viertel reduzieren. Weniger stark erhärtet sind indes die Einflüsse des Stillens in der postmenopausalen Phase.»

Geburten als Schutz

Weil der Östrogenspiegel in der Schwangerschaft und Stillzeit niedriger als üblich ist, treten bestimmte Krebsarten wie etwa Brustkrebs seltener bei Frauen auf, die mehrere Kinder bekommen und die lange gestillt haben. Dass kanzerogene Zellen oft in Fettgewebe gelagert sind, die laktierende Brust aber weniger Fettgewebe aufweist, wird unter anderem in einer amerikanischen Studie dargelegt, die 2009 publiziert wurde.

Viele Menstruationszyklen im Leben einer Frau erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken. Der Grund dafür ist letztlich nicht klar. Dennoch gelten Kinderlosigkeit sowie eine frühe erste oder späte letzte Menstruation als Risikofaktoren. Umgekehrt bieten Geburten und lange Stillzeiten einen gewissen Schutz. Das gilt vor allem dann, wenn die Frauen ihr erstes Kind in jüngeren Jahren gebären. Werden sie mit über 30 zum ersten Mal Mutter, so kommen Untersuchungen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Hormonschwankungen ausgesetzt


Tatsache indes ist: Eine frühe erste und eine späte letzte Menstruation ist einer der Risikofaktoren für Brustkrebs. Heisst das jetzt, dass die Hormone, welche die Weiblichkeit der Frau ausmachen, den Krebs fördern? Erwiesen ist, dass die Brust den zyklischen Hormonschwankungen umso mehr ausgesetzt ist, je länger die Phase zwischen der ersten und der letzten Menstruation dauert.

Wenn sich Frauen in den Wechseljahren künstlich Hormone zuführen, so wird der Hormoneinfluss ebenfalls verlängert, und das Risiko einer Brustkrebsentwicklung kann weiter ansteigen. Die weiblichen Geschlechtshormone sind aber nicht per se gefährlich, sondern sie machen die Weiblichkeit überhaupt erst aus.

So betrachtet ist letztlich nicht bewiesen, dass die weiblichen Hormone Brustkrebs bewirken. Sie können aber den Krebs fördern und so sein Wachstum begünstigen. Umso wichtiger ist deshalb auch die Früherkennung von Brustkrebs.